Italienisches Urlaubsflair fürs Klima und mehr

Ein partizipatives, sozio-kulturelles Projekt von KlimaLautern und anderen gesellschaftlich engagierten Gruppen

Ursprungsidee: Ina Bartenschlager und Petra Neumahr

Projektleitung: Petra Neumahr und Team Lautrer Schatten

Kurzbeschreibung

Wenn in italienischen Gassen und auf Plätzen die Wäsche auf Wäscheleinen trocknet, dann zeigt dies italienischen Alltag: Wäscheleinen von Haus zu Haus gespannt sind eine einfache, platzsparende Methode, Wäsche an der Luft zu trocknen. Diese Alltagsszenerie ist inzwischen Teil des kulturellen Gedächtnisses geworden, mit dem Europäer sofort Sommer, Sonne, Süden, Leichtigkeit und Dolce Vita verbinden.

Das Trocknen der Wäsche im Freien hat zudem klimatische Effekte: Mit der wandernden Sonne werfen die Wäschestücke Schatten auf die Gasse oder den Platz. Wind und zirkulierende Luft lassen die Wäsche flattern, ein Spiel aus Licht und Schatten belebt den Raum darunter. Und das Trocknen der Wäsche befeuchtet an heißen Sommertagen angenehm die Luft. Beim Auf- und Abhängen der Wäsche passiert noch mehr: Draußen, vor der Wohnungstür, treffen sich Nachbarn, tauschen sich aus, teilen ein Stück Alltag.

Dieses romantische, italienische Bild hat Ina Bartenschlager und Petra Neumahr zu einer Kunstinstallation inspiriert, bei der Wäsche in den Mittelpunkt gestellt wird. Wäsche ist meist eine alltägliche Notwendigkeit, manchmal auch ein sinnliches Vergnügen – immer aber ein Thema, zu dem alle einen Bezug haben und welches deshalb besonders niederschwellig ist.

Mit der Wäsche-Installation werden in Kaiserslautern keine italienischen Verhältnisse zu schaffen sein. Aber eine Kunstinstallation mit an Wäscheleinen erinnernden Seilen und ästhetisch arrangierten Wäschestücken (gespendet aus den Wäscheschränken Lautrer Bürger) kann Beschattung, Kühlung und damit Belebung von versiegelten und aufgeheizten Plätzen bewirken. Dies bringt mehr Aufenthaltsqualität und damit mehr Platz in die Innenstadt, der für Begegnung und Austausch, Spielen, Beobachten, Ausruhen oder kulturelle Open-Air-Events zur Verfügung steht.

Für die Kunstinstallation bzw. die temporäre Umgestaltung ist der Platz westlich der Tourist-Info zwischen Burg- und Fruchthallstraße im Sommer 2026 vorgesehen.

Urlaubsflair am Lautrer Schatten-Platz

Sommer 2026: Wäscheleinen sind über den Platz gespannt, daran hängen Bettlaken, Tischdecken, Geschirrtücher, Kissenbezüge und Strandtücher, dazwischen mal ein Unterhemd und auch ein paar Schürzen – alles mit Wäscheklammern befestigt und nach einem Farbkonzept arrangiert. Fröhlich flattern die Wäschestücke im leichten Sommerwind. Licht und Schatten tanzen über den Platz, mobile Sitzgelegenheiten laden Passanten zum Staunen und Verweilen ein. Alle nutzen den Platz nach Lust und Laune – ob zum kleinen Picknick mit der Nachbarin, zum Spielen, zum Zeitunglesen und Diskutieren, zur Musikstunde an der frischen Luft, zum Architektur-Seminar, zur Vereinssitzung in neuem Ambiente. Darüber hinaus ergibt sich vielleicht ein spannendes kulturelles Programm, das gemeinsam mit der freien Szene geplant wurde. Das alles für „umme“, da konsumfreie Zone und für alle niederschwellig nutzbar.

In der Nacht leuchten die auf die Wäschestücke aufgenähten Solarlichterketten. Aufgeladen durch die Sonne bezaubern sie am Abend den Platz mit tanzenden Lichtern. Sommer, Sonne, Süden – Leichtigkeit und Lebensfreude, ein Hauch Bella Italia und Dolce Vita mitten in der Westpfälzer Metropole.

Und dabei ist das Ambiente nur ein Nebeneffekt!

Die aufgehängten Wäschestücke spenden am Tag Schatten, das Spiel von Licht und Schatten sowie die Farben beleben den Platz. Der sonst an sonnigen Tagen eher unwirtliche Platz verwandelt sich in einen Platz mit echter Aufenthaltsqualität. An regnerischen Tagen nimmt die Wäsche das kühlende Nass auf, um es zeitverzögert durch Verdunstung wieder abzugeben.

Projektziele

Das zeitlich befristete Popup-Projekt ist als Experiment angelegt. Auf einer kleinen Fläche soll getestet werden, ob bzw. unter welchen Bedingungen unten stehende Ziele erreicht werden können. Außerdem bietet das Sich-Finden und Zusammenwirken der Akteure alle Chancen, die sich dauerhaft aus neu entstehenden Vernetzungen ergeben. Im günstigsten Fall ergeben sich wertvolle neue Strukturen und Erfahrungen für alle Beteiligten, die für zukünftige Projekte genutzt werden können. Das Ganze könnte als Blaupause für Größeres in den folgenden Jahren genutzt bzw. als Testlauf und Impulsgeber gesehen werden. Somit handelt es sich nicht nur um eine Kunstinstallation, sondern um ein sozio-kulturelles, partizipatives Projekt experimenteller Art mit visionärem Charakter.

  • Hauptziel ist die Belebung und Beschattung des Platzes während der Sommerzeit. Durch die Installation sowie den Schattenwurf der Wäsche wird die Aufenthaltsqualität auf dem Platz gesteigert. Neugierde und Lust zum Verweilen werden geweckt, Gastronomie und Einzelhandel können davon profitieren. So wird die Aufenthaltsqualität in Innenstädten u.a. an der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer gemessen. Mehr Schatten trägt dazu bei, längere Zeit zu verweilen, statt Plätze und Straßen aufgrund der Hitze schnellstmöglich zu überqueren.
  • Kaiserslautern zeigt sich als diskussionsfreudige und für konstruktive Kritik aus der Bevölkerung offene Stadt. Das Projekt ermöglicht allen, die mit der derzeitigen baulichen Gestaltung des ausgewählten Platzes unzufrieden sind, sich konstruktiv an der Suche nach Lösungen zu beteiligen. Alle können, auf individuell unterschiedlichste Weise, ihren Teil zum Erfolg des Projekts beitragen. Die Bürger können zeigen, dass sie an einer, wenn auch nur vorübergehenden, Veränderung des Status quo interessiert und bereit sind, sich dafür zu engagieren. Eine niederschwellige Form des Engagements dürfte darin bestehen, nicht genutzte Wäsche, Wäscheklammern (ggf. auch ausrangierte Klappstühle) für die Kunstinstallation zu spenden. Nachhaltigkeit steht im Fokus: So sind die Wäschestücke und Wäscheklammern Second Hand – gesammelt und zweckdienlich aufbereitet, ggf. in Kooperation mit einem Sozialkaufhaus aus Kaiserslautern. Die Leuchtdioden könnten ebenfalls in Kooperation mit einer sozialen Einrichtung oder engagierten Handarbeitsgruppen eingenäht werden.
  • Nicht zuletzt können Bürger auf kreative Art und Weise zeigen, für welche Zwecke ein schattiger Platz inmitten der Stadt genutzt werden kann – gern auch in Zusammenarbeit mit anderen Akteuren, wie die Freie Kulturszene, Schulklassen, Klima- und Naturschutzgruppen, oder für das städtische Ferienprogramm.
  • Nichts wirkt Vorurteilen und Abschottungstendenzen unterschiedlicher Gruppen mehr entgegen als Austausch und Begegnung. Dazu braucht es einladende und konsumfreie Orte. Der „Lautrer Schatten“-Platz könnte zu einem Ort werden, an dem Offenheit und Toleranz gelebt und geübt wird. Das wäre eine besonders niederschwellige Form von Demokratieförderung.

Technische Umsetzung

Ursprünglich sollte die Installation an das Bild der Wäscheleinen in italienischen Gassen erinnern. Tatsächlich sind aus Sicherheitsgründen belastbarere Stahlseile erforderlich, ebenso Ösen und Karabinerhaken statt echter Wäscheklammern mit eher dekorativer Funktion. Die Gegebenheiten des Platzes ermöglichen es nicht, Seile zwischen Fassaden zu spannen. So muss auf geliehene Traversen aus dem Bereich des Bühnenbaus zurückgegriffen werden. Diese werden mit Wassertanks und Betonplatten beschwert, die Seile werden in 4,50 Meter Höhe angebracht. Wie und wo genau die Seile aufgespannt werden, wird mit fachlich versierten Personen (z.B. Architekten, Stadtplaner usw.) gemeinsam entwickelt.

Realisierung

Nach einem langen Weg mit vielen Höhen und Tiefen, Rückschlägen und Überraschungen steht es endlich fest: Im Sommer 2026 werden wir den zurzeit unwirtlichen Platz westlich der Touristeninformation für zehn Wochen in einen attraktiven, lebendigen und konsumfreien Ort verwandeln! Aus einer ursprünglich sehr umfassenden Idee sind nun zwei Projekte entstanden, die sich wunderbar ergänzen:

  • „Italienisches Flair in der Innenstadt“ mit dem Schwerpunkt, durch die Installation schattenspendender Elemente die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu verbessern (gefördert über das Landesprogramm Innenstadt-Impulse)
  • „Lautrer Schatten … – Kunst und Kultur für Menschen und Klima – ein partizipatives Projekt für Kaiserslauterns Innenstadt“, mit dem Schwerpunkt Soziokultur (gefördert über den Kultursommer Rheinland-Pfalz)

Eckdaten

  • Aufbau am 9. Juni
  • Eröffnung und Einweihung des „Lautrer Schatten“-Platzes am 10. Juni in Zusammenarbeit mit dem Citymanagement, dem Referat Kultur und der freien Kulturszene
  • Beiträge zur Langen Nacht der Kultur am 13. Juni
  • Ende der Umsetzung am 29. August (Tag der Vereine) mit einer Finissage

Aktuelle Entwicklungen zum Projekt kannst du auf Instagram verfolgen:  lautrerschatten