Stellungnahme zur kommunalen Wärmeplanung Kaiserslautern

Am 11.05.2026 hat der Stadtrat den Wärmeplan in Kaiserslautern beschlossen. Zuvor haben wir mit KlimaLautern den Prozess zur Erstellung im Rahmen des kommunalen Wärmetischs begleitet. Bis Ende Februar bestand die Möglichkeit sich in Form von Stellungnahmen zum damaligen Entwurf zu äußern. Von dieser Möglichkeit haben wir Gebrauch gemacht und veröffentlichen nun unsere Stellungnahme auf unserer Webseite.

Mehr Informationen zum aktuellen Stand der kommunalen Wärmeplanung sind zudem auf der Webseite der Stadt zu finden. Die gesammelten Stellungnahmen und der Umgang hiermit kann zudem hier nachgelesen werden.

Gutes Fundament mit Ausbaupotenzial
auf dem Weg zur klimaneutralen Wärmeversorgung

KlimaLautern begrüßt, dass die Stadt mit der Fertigstellung des Wärmeplans eine klare Richtung für die Entwicklung der Wärmegewinnung in Kaiserslautern vorgibt. Jetzt gilt es, die enthaltenen Maßnahmen zeitnah und verbindlich umzusetzen, sowie Bürger:innen mit wirksamer Öffentlichkeitsarbeit über die Vorgaben, Rahmenbedingungen zu informieren.

Wir begrüßen die ambitionierte Zielsetzung und ausführliche Analyse rund um Potenziale und das Zielszenario der Wärmeplanung. Konkret beziehen wir zu den folgenden Punkten zusätzlich Stellung und halten gewisse Nachbesserungen für eine zukunftsfeste Wärmeplanung in Kaiserslautern für unumgänglich:

Stilllegung des Erdgasnetzes

Der Wärmeplan vernachlässigt eine zentrale Säule der Wärmeversorgung: die Gasverteilnetze. Doch deren Betrieb wird unrentabel, lange bevor der letzte Haushalt abgekoppelt ist. Zögert der Netzbetreiber die Stilllegung hinaus, explodieren die Kosten für die verbleibenden Gaskund:innen. Der Ausstieg aus der Gasversorgung erfordert daher eine gemeinsame Planung von Kommune und Netzbetreiber. Zunächst muss der Netzbetreiber analysieren, wann die Gasnachfrage in den Teilgebieten den wirtschaftlichen Kipppunkt (ab dem der Betrieb unwirtschaftlich wird) erreicht. Orientierung hierfür können sicherlich auch die Wärmeversorgungsgebiete im Wärmeplan bieten. Die Stadtverwaltung sollte sich für eine geordnete Stilllegung der Netze einsetzen und den Prozess mit einem transparenten Kommunikationskonzept begleiten. Ohne proaktives Handeln drohen den letzten Gaskund:innen unkalkulierbare Belastungen. Hierzu braucht es zeitnah klare Analysen, verbindliche Zeitpläne und eine offene Kommunikation.

Dekarbonisierung der Fernwärme

Der aktuelle Entwurf zur Wärmeplanung enthält keine ausreichende Strategie zur Dekarbonisierung der Fernwärme. Zwar ist das Tiefengeothermie-Projekt der SWK ein wichtiger Ansatz, doch fehlt ein konkreter Fahrplan, wie die fossile Fernwärme bis 2040 klimaneutral gestaltet werden soll. Diese Lücke wird dadurch vertieft, dass im Factsheet und der Potenzialanalyse nicht systematisch zwischen den Anforderungen der Fernwärme und dezentralen Gebieten unterschieden wird – obwohl beide Bereiche unterschiedliche Lösungsansätze erfordern. Auch wenn die SWK die operative Verantwortung trägt, sollte auch die Wärmeplanung selbst eine klare und nachvollziehbare Strategie zur Dekarbonisierung der Fernwärme aufzeigen. Ein positives Beispiel hierfür ist die Stadt Hannover, deren Wärmeplanung einen ausführlichen und transparenten Sachstand zur Fernwärmedekarbonisierung enthält. Kaiserslautern sollte diesem Beispiel folgen und eine eigene, verbindliche Dekarbonisierungsstrategie für die Fernwärme vorlegen.

Bio-Methan ist keine klimaneutrale Alternative!

Der Wärmeplanungsbericht geht davon aus, dass Biomethan in den verbleibenden gasversorgten Gebieten „in bedarfsdeckender Menge“ verfügbar sein wird (S. 62, Kap. 5.2). Diese Einschätzung ist jedoch nicht nachvollziehbar und widerspricht den eigenen Daten des Berichts:

Das lokale Biogaspotenzial wird vom Fraunhofer ISE mit nur 35 GWh/a beziffert (S. 47, Kap. 4.2.5) – selbst bei vollständiger Nutzung könnten damit nur 4,3 % des Wärmebedarfs von 807 GWh/a gedeckt werden (vgl. Abbildung 45, S. 60). Eine „bedarfsdeckende“ Versorgung wäre nur durch teure Importe möglich, was weder ökologisch noch wirtschaftlich sinnvoll ist. Zudem besteht eine starke Konkurrenz um Biogas, was die Verfügbarkeit für die Wärmeversorgung weiter verringert. Wir fordern, diese Passage zu überarbeiten und klarzustellen, dass Biomethan keine langfristige Lösung für die Wärmeversorgung darstellt.

Insbesondere gilt: Biomethan ist keine klimaneutrale Lösung! Zwar wird bei der Verbrennung nur das zuvor gebundene CO₂ freigesetzt, doch Methanemissionen entlang der gesamten Kette – von der Produktion über Leckagen bis zur Verbrennung – machen Biogas zu einer erheblichen Klimabelastung. Methan ist als Treibhausgas über 25-mal wirksamer als CO₂ und hebt den theoretischen Klimavorteil oft auf. Zudem verursachen Düngemittel, Flächenkonkurrenz und der Energieaufwand für die Aufbereitung zusätzliche Emissionen, die in der Bilanz häufig unberücksichtigt bleiben. Eine klimagerechte Wärmewende muss daher auf echte Null-Emissions-Technologien setzen und darf sich nicht auf Biogas als „Brückentechnologie“ verlassen.

Sanierung kommunaler Wohnungsgesellschaften

Die Kommune lässt die in ihrem Einfluss befindlichen Gebäude der Bau AG komplett außen vor. Dabei wäre es ihre Aufgabe, als Vorbild voranzugehen. Der zu 100% im Besitz von Kaiserslautern stehenden Bau AG gehören fast 10 Prozent (etwa 5.000 Wohnungen der Bau AG zu etwa 60.000 Wohnungen in KL – Quellen: Geschäftsbericht Bau AG 2024 S. 15 & Wohnungsmarktanalyse Kaiserslautern Abschlussbericht 2020 S. 7) des Wohnungsbestandes in der Stadt. Sie verantworten damit einen substanziellen Bestandteil der Gebäude und sollten entsprechend eine großangelegte Sanierungsoffensive starten. Als Eigentümerin sollte die Stadt dafür eintreten, dass diese Sanierungen „warmmietenneutral“ ablaufen, damit Mietende nicht überproportional mit steigenden Wohnkosten konfrontiert werden.

Berücksichtigung von Wärmespeichern

Wärmespeicher werden im Wärmeplanungsbericht nur am Rande erwähnt (z. B. bei Industrieabwärme, S. 50), in der Potenzialübersicht (S. 56, Kap. 4.4) fehlen sie jedoch komplett.

Während Wasserstoff oder Biomethan eigene Kapitel erhalten, fehlt eine systematische Auseinandersetzung mit der Rolle von Wärmespeichern. Unklar bleibt: Wie die Stadt Speicherlösungen einsetzen will, Welche Technologien geprüft werden und wie sie fossile Backup-Systeme ersetzen. Dabei sind Wärmespeicher ein entscheidender Hebel für die klimaneutrale Wärmewende auf lokaler Ebene – wie das Vorbild Rostock zeigt: Dort speichern saisonale Großspeicher (z. B. 50.000 m³-Erdbeckenspeicher) Sommerwärme für den Winter und optimieren die Netzauslastung (vgl. Wärmeplan Rostock 2022). Hier muss das Konzept nachgebessert werden, um Transparenz und Planungssicherheit zu schaffen.

Fortbildungsangebote für Handwerker:innen

Es gilt, jährlich mindestens 500 Gebäude in Kaiserslautern energetisch zu sanieren und den Umstieg von fossilen Heizungen auf Wärmepumpen aktiv zu fördern. Um Engpässe bei der Umsetzung zu vermeiden, sollte eine städtische Plattform etabliert werden, die relevante Fachakteure – Energieberater, Handwerksbetriebe, Heizungsinstallateure und Elektrotechniker – aktiv einbindet und durch Information, Schulungen und Seminare unterstützt. Eine Beteiligung von Handwerkskammer, Berufsschule, Meisterschule, Hochschule und RPTU wäre dabei ausdrücklich wünschenswert. Als Vorbild kann die Wärmewende-Akademie Mannheim dienen, die seit ihrer Eröffnung im November 2024 bereits über 90 Handwerksbetriebe geschult hat und bundesweit als beispielgebende Einrichtung gilt. Kaiserslautern sollte diesem Modell folgen und vergleichbare Einrichtungen im Rahmen der Maßnahme KWP 2-2 einbinden und etablieren.

Ausschluss von Wasserstoff

Wir begrüßen ausdrücklich, dass der Wärmeplanungsbericht die Nutzung von Wasserstoff für Heizzwecke ausschließt. Die dargelegten Gründe – fehlende Verfügbarkeit, hohe Kosten und die Konkurrenz zu anderen Sektoren – sind nachvollziehbar und richtig. Wasserstoff wird auch langfristig keine wirtschaftliche Lösung für die Wärmeversorgung von Gebäuden darstellen, da die Priorisierung für Hochtemperaturprozesse und Mobilität sinnvoll und notwendig ist.

Allerdings sollte die Stadt klarstellen, dass Wasserstoff auch über 2040 hinaus keine Option für die Gebäudebeheizung sein wird. Eine offene Formulierung könnte sonst falsche Erwartungen wecken. Die konsequente Fokussierung auf effizientere Lösungen wie Wärmepumpen, Fern- und Nahwärme ist der richtige Weg – und dieser sollte in der Planung eindeutig und verbindlich verankert werden.

Passgenauigkeit von Maßnahmen und Zielszenario

Im aktuellen Stand der kommunalen Wärmeplanung sehen wir insbesondere in der Passgenauigkeit der entwickelten Maßnahmen und dem aufgezeigten Zielszenario noch Verbesserungsbedarf. Bisher fehlt noch ein klarer Plan für die Realisierung des angestrebten Ziels anhand der dargestellten Maßnahmen. Dies wird unter anderem auch dadurch verstärkt, dass im Rahmen der Maßnahmenbeschreibungen die Meilensteine der Maßnahmen nur in wenigen Fällen tatsächliche Zeitangaben enthalten und ansonsten im Zeithorizont relativ vage bleiben. Im Einzelnen gehen die Maßnahmen auch ihren Beitrag zur Zielerreichung ein, jedoch fehlt eine Gesamteinschätzung, inwiefern mithilfe der entwickelten Maßnahmen das Gesamtziel erreicht werden kann, um strategische Sicherheit in der Dekarbonisierung der Lautrer Wärmeversorgung sicherzustellen und überprüfbar zu machen.

Öffentlichkeitsarbeit

Wir begrüßen, dass die Stadt Kaiserslautern mit der Kommunikationsstrategie geeignete Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit vorsieht und Beratungsangebote schaffen möchte. Diese Maßnahmen sind essenziell, um Akzeptanz zu schaffen und die Transformation hin zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung gemeinsam mit der Stadtgesellschaft zu gestalten.

Jetzt kommt es auf die zügige Umsetzung an: Die geplanten Formate – von Bürgerberatungen über Social-Media-Kampagnen bis hin zur abgestimmten Kommunikation aller Akteure – müssen unverzüglich und mit sichtbarer Priorität gestartet werden. Nur so lässt sich das notwendige Vertrauen aufbauen und die Wärmewende als gemeinsames Projekt erfolgreich vorantreiben.

Potenzial von Abwasserwärme an der Kläranlage

Das Potenzial der Abwasserwärme an der Kläranlage Kaiserslautern wurde in der Wärmeplanung unserer Einschätzung nach nicht ausreichend berücksichtigt – so findet es sich etwa nicht in Tabelle 9 (S. 56) wieder. Auch wenn eine genaue Quantifizierung im Rahmen der Erhebung nicht möglich war (vgl. S. 49), hätten Vergleichswerte zumindest grobe Schätzungen erlaubt: Die Stadt Lemgo (40.000 Einw., NRW) gewinnt aus der Abwärme ihrer Kläranlage 18 GWh/a. Übertragen auf Kaiserslautern ergibt sich somit ein geschätztes Potenzial von rund 40 GWh/a – entsprechend etwa 20 % des aktuellen Fernwärmebedarfs. Auf Basis dieser Schätzung erachten wir es für notwendig, die Planungen zur Nutzung dieses Potenzials parallel zur weiteren Quantifizierung zu beginnen, um die Dekarbonisierung der Fernwärme zügig voranzutreiben.

Repräsentation von Potenzialen im Zielszenario

Um die Wärmeversorgung vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen, müssen die ermittelten Potenziale konsequent genutzt und im Zielszenario abgebildet werden. Hier besteht Nachbesserungsbedarf: Insbesondere bei der Dekarbonisierung der Fernwärme bleibt das Zielszenario vage, und Potenziale wie die Abwasserwärme werden nicht ausreichend berücksichtigt. Stattdessen verbleiben mit Biomasse und Biomethan Energieträger im Szenario, die potenziell weiterhin Emissionen verursachen – dies ist mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2040 nicht vereinbar. Darüber hinaus fehlt eine angemessene Prüfung ausreichend großer Wärmespeicher, obwohl diese für die Umstellung der Fernwärmeversorgung auf erneuerbare Energien in der Regel unerlässlich sind.

Power-to-Heat bleibt eine Nischenlösung

Der aktuelle Entwurf der Wärmeplanung vernachlässigt die Unterschiede innerhalb der Power-to-Heat-Technologien und lässt damit eine klare Priorisierung vermissen. So sollte deutlicher hervorgehoben werden, dass Wärmepumpen gegenüber Elektrokesseln deutlich effizienter sind, da sie nicht direkt Strom in Wärme umwandeln, sondern Umgebungswärme nutzbar machen und dabei Wirkungsgrade deutlich über 100 % erreichen können. Der Einsatz von Elektrokesseln ist daher nur dann sinnvoll, wenn überschüssiger erneuerbarer Strom verfügbar ist, und sollte idealerweise in Kombination mit Wärmespeichern erfolgen. Auch zur Deckung von Lastspitzen kann diese Technologie einen wichtigen Beitrag leisten. In der aktuellen Fassung der Wärmeplanung geht dies aber noch nicht deutlich genug hervor. Insbesondere stellen Hybridsysteme, die mit chemischen Brennstoffen betrieben werden keine geeignete Lösung zur klimaneutralen Wärmeversorgung der Grundlast dar, wenn Brennstoffe entweder nicht klimaneutral oder kaum verfügbar sein werden.